- Leer Open 2018 -
Leer
01.11. - 04.11.

 
Heimspiel in Ostfriesland
Tolle Zeit beim Turnier in Leer
 
Warum in die Ferne schweifen...

... wenn das Gute liegt im Nahschach! Oder so ähnlich. Bereits im letzten Jahr hat die Region neben dem NordWest-Cup in Bad Zwischenahn ein zweites Turnier ähnlicher Kategorie bekommen - das Open in Leer, initiiert von Schachfreund Edzard Wirtjes aus der Leda-Stadt, unterstützt von der Schachabteilung des VfR Heisfelde. In diesem Jahr nahm ich erstmals teil, und es wurde sowohl in sportlicher als auch in sonstiger Hinsicht ein Volltreffer für mich.

Gespielt wurde im Hotel Ostfriesen-Hof in drei Open, jedes Turnier hatte seine eigenen Räumlichkeiten und auch vom Platzangebot her war alles vernünftig. Kaffee und Tee gab es gratis, in diesem Jahr allerdings nicht mehr für die Zuschauer, was dann für mich als Kaffee-Anbeter der ausschlaggebende Grund war, mich selbst ans Brett zu setzen.

Gespielt wurden 7 Runden mit der Bedenkzeit Fischer Kurz, also mit Inkrement, alles bewacht wie in Bad Zwischenahn von den Schiedsrichtern Johan Swanepol und Dirk Rütemann. Am Anreisetag, dem Donnerstag, ging es um 16 Uhr los, an den anderen Tagen jeweils um 10 Uhr und um 16 Uhr, am Sonntag wurde eine Stunde vorgezogen. 10/16 finde ich eigentlich optimal, da man vorher als Eule - im Gegensatz zu den Lärchen - eh nicht richtig nachdenken kann.
 

Der Ostfriesen-Hof in Leer

A pro pos Anreise: Es hat richtig was, wenn man nur 10 Minuten entfernt wohnt, und wohnen ist in diesem Fall ja das eigene Heim. Zwischen den Runden kann man in die eigenen vier Wände. Was für ein Luxus zu anderen Turnieren! Und ein Feiertag vorneweg - der neue eingeführte Reformationstag  - war auch sehr hilfreich. Es ist also doch nicht alles schlecht an der Kirche! Der Bericht wird übrigens lang, aber es ist viel passiert und ich hatte Lust, zu schreiben.

Mein schachlicher Mitstreiter seit ungezählten Jahren, Sebastian, nahm nicht teil, da parallel die Deutsche Meisterschaft der Polizei ausgetragen wurde, an der er wie meistens in den letzten Jahren teilnahm. Wir werden später im Bericht noch einen Abstecher nach Mühlhausen machen. Unsere Clique bestand diesmal aus 6 Personen, und wir harmonierten das ganze Turnier über prächtig: Im Haus Modder gastierten meine Oldenburger Mannschaftskollegen Marc Schütte und Maik Schäfer, und im Haus Lübsen unter dem Regiment des alten Holthuser Mitstreiters Keno noch die Werderaner Spartak Grigorian und David Kardoeus.

Da wir nur ein paar Straßen entfernt voneinander wohnen, fanden wir uns jeweils nach den Nachmittagsrunden im Hause Modder ein, wo wir drei legendäre Abende mit Analysen, Blitzpartien, viel zu Essen, etwas zu trinken und jeder Menge dummen Sprüchen erlebten! Allein das war es schon wert, um dabei zu sein, und wenn man dann auch noch gut spielt - umso besser! Jedenfalls konnte man sich darauf immer freuen.

Donnerstag, 01.11.

Nach und nach fand man sich ein, Keno hatte die ganze Meute dankenswerterweise pünktlich angemeldet, und um 16 Uhr fiel der Startschuss zum Open. Mehrere Großmeister und ein paar IM fanden sich ein, insgesamt 80 Teilnehmer im A-Turnier. Wichtige Paarungen der ersten Runde aus unserer Sicht waren die folgenden:

Uwe Rau - Frank
Keno - GM Kunin
David - Maik

Ich durfte gleich mit Schwarz gegen Lokalmatador Uwe Rau ran, der im letzten Jahr mit einem Remis gegen GM Berelowitsch und einem Sieg gegen IM Kopylov groß aufgetrumpft hatte und der auch 2018 wieder ein starkes Turnier absolvieren sollte. Uwe kenne ich von nun mittlerweile 15 Partien in den letzten 24 Jahren. Irgendwie wurstelte ich mich diesmal durch die Eröffnung, bis ein Opferblitz aus heiterem Himmel in meine Stellung einschlug. Ich hatte aber noch Ressourcen und am Ende landete ich in einem etwas passiveren Schwerfigurenendspiel, was ich aber nicht halten konnte:

Uwe Rau - Frank
 

Die Aufnahme von mir müsste während
der Partie gegen Uwe entstanden sein.

Gleich ein „internes Duell“ lieferten sich David und Maik. Nachdem man sich lange auf theoretischen Pfaden bewegte, blunderte „Kadde“ eine Qualität ein. Maik agierte in der Folge etwas zu hektisch, und der klare Rating-Favorit aus Bremen erkämpfte sich doch noch den vollen Punkt:

David - Maik
 

David und Maik in Aktion.

Keno war nach eigener Aussage recht chancenlos gegen den GM geblieben, konnte aber einiges an neuen Eröffnungs(er)kenntnissen mitnehmen. Spartak gewann seine Auftaktpartie gegen „untere Hälfte“, Marc hatte jedoch Malheur in seiner Favoritenrolle: Er gewann früh einen Bauern, wollte aber statt einem damenlosen Endspiel lieber ein taktisches Mittelspiel mit Königsangriff spielen. Sein Gegner wuchs in der Folge ein wenig über sich hinaus und spielte auf sehr hohem Niveau, die Partie ging leider mit einer Null für Marc zu Ende.

Es folgte die erste der „Bunder Zusammenkünfte“. Wir prüften dann laufend das Netz nach der Auslosung für den nächsten Tag, welche dann erschien und unter anderem folgende Paarung ergab:

Frank - Keno

Marc hatte gegen den jungen Papenburger Sören Evering zu spielen und wir hatten Marc schon ein wenig vorbereitet, als irgendjemand nochmal die Paarungen aufrief. Und siehe da: Es war neu gelost worden! Man hatte wohl die in der ersten Runde spielfreien Teilnehmer vergessen zu aktivieren. Keno wir konnten dann erst mal etwas aufatmen! Ja ok, ich hätte natürlich einen schweren Stand gehabt, da Keno momentan besser als je zuvor spielt und die 2100er Marke geknackt hat (also live). Die neuen Paarungen waren aber auch „interessant“:

Frank - Marc
Maik - Keno
Ausserdem durfte sich GM Kunin mit David am nächsten Spieler aus unserer Gruppe abarbeiten.

Also gleich zwei Duelle innerhalb der Gruppe… Man kann es als ärgerlich empfinden, andererseits ist es auch wieder was Besonderes, mal untereinander ein Duell auszufechten. Die paar DWZ holt man sich notfalls schon anderweitig wieder zurück. Nach Auflösung der Gruppe zur Geisterstunde legte Keno anscheinend noch eine Nachtschicht ein, während Haus Modder es diesbezüglich ruhig angehen ließ.

Freitag, 02.11.
Vormittag

Bittere Pille erneut für Mighty Maik: Wieder stand er völlig auf Gewinn, diesmal allerdings nicht durch einen Fehler seines Gegners Keno, sondern vor allem durch eine starke Spielanlage, wo er vor allem nicht am Material klebte, sich schnell entwickelte und zum Angriff überging. In Zeitnot allerdings erlaubte er sich eine Schwächung. Keno witterte seine Chance und spielte seine Stärken im Angriff aus, Maik konnte dem Druck nicht standhalten.

Maik - Keno

Marc und ich erlaubten uns beide ein paar Ungenauigkeiten in der Eröffnung, aber ich hatte hier deutlich mehr vom Spiel. Am Ende, wo vor allem Marc in Zeitnot war, erlaubten wir uns beide ein paar Ungenauigkeiten, bis Marc dann ein Angebot machte, das ich nicht ablehnen konnte, wie es bei „Der Pate“ einst hieß.

Frank - Marc

Für Kadde war gegen Kunin nichts drin, während Spartak leider gegen einen schwächeren Gegner verlor. Er fand ein wenig langsam ins Turnier, aber es sollte sogleich besser werden, während sich für David ein Pingpong-Spiel andeutete. Also guter Gegner-schwächerer Gegner-guter Gegner…

Freitag, 02.11.
Nachmittag

Diesmal gab es keine internen Duelle bzw. Titelträger. Ah ok, meine Gegnerin war WFM. Ich rechnete mir was aus, spielte die Eröffnung allerdings schlecht. Da ich noch dabei bin, diese Eröffnung vor allem auch in der Praxis zu lernen, fehlt mir wohl der Blick für ein paar Nuancen. Sehr nuanciert blunderte ich dann beherzt die Stellung weg, wonach ich aber noch verzweifelte Gegenmaßnahmen einleiten konnte. Meine Gegnerin hatte immerhin - oder nur lediglich, je nach Lesart - das bessere Endspiel, aber ich verteidigte den halben Punkt mit den Zähnen.

Vanhuyse - Frank

Keno, David, Marc und Maik hatten alle schwächerere Gegner, und sie gewannen alle ihre Partien. Keno und Maik machten relativ kurzen Prozess, stark spielte auch Marc, der immerhin einen jungen, aufstrebenden Gegner hatte. Für alle waren es sehr wichtige Siege, um ordentlich im Turnier zu stehen bzw. eine Basis dafür zu schaffen. Auch Spartak gewann gegen einen schwächeren Gegner, aber dazu gleich mehr. Da ich die längste Partie hatte, konnten wir erst los nach Beendigung meiner Begegnung. Euphorisiert faselte ich, wir hätten 6,0/6 am Nachmittag, bis mir einfiel, ich hatte ja „nur“ Remis - so gut fühlte es sich an!

Die abendliche Sitzung im Haus Modder - mit einem großen Porträt in der Küche vom besten Torwart Armeniens, Tigran Petrosjan - wurde dann eingeleitet mit Spartaks Vorführung seiner Partie vom Nachmittag. Ein Opferfeuerwerk, man scheiterte zwischendurch schon beim Abzählen des Materials. Spartak meinte, möglicherweise seine bisher beste Partie. Also bitte zurücklehnen und das Opfermenü genießen, von Spartak wie immer eiskalt serviert:

Spartak - Asadzade

Der Tiger hat seine Krallen gezeigt! Hier die Biler vom Freitag Abend:
 

Die Runde in Bunde. Von links: Marc, Maik, Kadde, Tigran, Keno, Spo und Heiko
 
Bei der Suppe von links Spo, Heiko, Keno und Marc,
vorn Kadde mit Mütze und Maik etwas verdeckt.

Samstag, 03.11.
Vormittag

Die Runde bescherte mir Marcs Auftaktgegner. Ich tat mich etwas schwer mit Weiß, aber letztlich hatte ich keine Probleme, die Partie zu Ende zu führen, nachdem ich einen  Bauern gewinnen konnte. Aber die Partie dauerte sehr lange und am Ende war ich dermaßen platt und verwirrt, dass ich sogar dem Schiedsrichter die Hand gab, die er mir hinstreckte. Allerdings wollte er mir gar nicht gratulieren, sondern forderte lediglich die Partieformulare ein.

David traf sich mit GM Gutman an der Tischtennisplatte, beide ihre Mützen tief ins Gesicht versenkt, während Spartak gegen einen schwächeren Gegner erneut gewann und sein Konto auf 3 Punkte schraubte. Maik stand erneut ganz vernünftig gegen die oben erwähnte WFM, ließ sich aber zurückdrängen und verlor diese Partie. Am Frustriertesten war wohl Marc, der eine wirklich starke Partie gespielt hatte und durch ein Damenopfer ein Ungleichgewicht, vermeintlich zu seinen Gunsten, herstellte. Ein Remis lehnte unser Mitstreiter im weiteren Verlauf ab, stellte aber dann am Ende einen Turm ein. Ein Schock.

Marc und ich stärkten uns dann zusammen mit unserem Vereinskollegen Ernst Heinemann mit einer Currywurst in der Leeraner Altstadt bei Bilderbuchwetter. Eine Bilderbuchpartie des Tages kam diesmal von Keno gegen einen 2200er Gegner. Dieser opferte eine Figur, aber Keno war theoretisch einfach beschlagener in der Variante. Nach 20 Zügen agierte er noch im Buch, bzw. konnte er von bekannten Ideen zehren. Sein Gegenüber hätte durch genaues Spiel in der Folge den Ausgleich wahren können, fand sich nach zwei kritischen Zügen mit seiner Minusfigur aber auf der Verliererstraße wieder.

van Cappellen - Keno

Die dritte „1“ hintereinander, somit auch Keno bei 3,0/4!

Samstag, 03.11.
Nachmittag

Zweimal gab es das Duell Oldenburg gegen Emden. Ich traf auf Peter Suren, während direkt am Brett neben mir der currywurstgestärkte Ernst gegen Edwin Lehmann antrat - ein weiterer Ex-Holthuser im Turnier. Zwei Titelträger warteten auch wieder auf unsere Leute: Spartak hatte es mit GM Danin zu tun, während Keno auf den indischen IM ohne Vornamen traf, S. Nitin. In der Tat weist ihn auch die FIDE lediglich mit S. aus.

Mein Gegner spielte eine sehr unkonventionelle Eröffnung und er zog vor allem sehr schnell, so dass ich mich irgendwann mit 50 Minuten weniger auf der Uhr wiederfand. Mich stört so etwas nicht sonderlich. Mit der Inkrementregelung reicht es in der Regel, sich seine eigene Zeit einzuteilen, unabhängig vom Gegner. Leider hielten nicht alle meine Ideen eine Überprüfung mit dem Rechner stand, aber mein Gegner fand die Widerlegungen nicht, ich gewann einen Bauern und dann durch einen taktischen Schlag einen weiteren.

Suren - Frank

Das Duell Oldenburg - Emden endete übrigens standesgemäß mit 2:0 für die Huntestädter… Edwin spielte aber ansonsten ebenfalls ein sehr gutes Turnier und konnte einige Wertungspunkte einfahren. Alle Ex-Holthuser im Turnier zeigten Leistung: Es spielten noch Philip Giertz, der Zweiter im C-Turnier wurde, und Uwe Hansen, welcher eine ordentliche Quote im B-Open erzielte.

Zurück zur Bunder Clique: Spartak und Keno verloren ihre Partien, aber zumindest Keno hatte mal eine gute Chance drin gegen den Internationalen Meister:

Keno - Nitin

Marc und Kadde gewannen ihre Partien gegen schwächere Gegner. Kurios war es allerdings bei David, dessen Gegnerin in einem für den Bremer vielleicht bestenfalls leicht besseren Endspiel einfach vergaß, dass ihr Läufer hing. Einen etwas gebrauchten Tag hatte man wohl Maik angedreht. Er remisierte gegen den Gegner, der überraschend in der Auftaktrunde gegen Marc gewonnen hatte und den ich in der Vormittagspartie besiegen konnte. Maik hatte sich mehr vorgenommen, aber am Ende stand er eher schlechter, machte aber ein Angebot, dass sein Gegner nicht ablehnen konnte. Immerhin noch ein halber Punkt also.

Es folgte der letzte gemeinsame Abend. Das Porträt von Petrosjan wurde durch eines von Spasski ersetzt. Der Supermarkt wurde nochmal geplündert für einige ungesunde Sachen für Herdplatte und Ofen und wir waren bester Stimmung, auch wenn es nicht bei jedem nach Wunsch lief. Die gute Stimmung möchte ich an dieser Stelle nochmal besonders positiv hervorheben. Zumindest mich trug sie durch das Turnier!
 

Der Samstag: Keno bildet beim Tandem ein Tag-Team mit Spartak.
 
In der gegnerischen Mannschaft gestikuliert Kadde noch.
Sein Teampartner ist Marc.

Sonntag 04.11.
Vormittag

Es wurde eine schwierige Runde für uns. Bei Spartak lief es immerhin noch. Er musste gegen die Nr. 2 der niedersächsischen Damenliste antreten (je nachdem, wie man die Liste aufstellt allerdings) und wurde seiner Favoritenrolle auch gerecht. Maik war gegen seine nominell schwächere Gegnerin taktisch nicht auf der Höhe, während David unverändert Pingpong spielte gegen Vorjahressieger Jahncke. Marc verlor eine Schlacht gegen Emdens Andreas Kerker, während Keno gegen einen etwa gleichstarken Gegner verlor, woraufhin sich sein Turnierstatus von „sehr gut“ auf „okay“ veränderte. Sein Qualitätsopfer war wohl überambitioniert. Hier die Bilder vier unserer Kämpfer aus der vorletzten Runde, links sitzend:
 

Keno
Kadde
 
Maik
Marc

Ich folgte gegen meinen Gegner einem Kochrezept von Nikolas Lubbe, welches er letztes Jahr gegen eben diesen Gegner anwendete. Natürlich hatte Niko die besseren Zutaten, aber ich konnte eine passiv zu werdende Lage abwenden und mein Gegner übersah eine kleine Taktik, die ihn das Läuferpaar kostete. Ich schlug Remis vor, immerhin war er auch um einige Wertungspunkte vorne. Es folgten die klassischen Worte: „Das Angebot kann ich nicht ablehnen.“

Machen wir an dieser Stelle einen Ausflug nach Mühlhausen, wo am Mittag die Polizeimeisterschaft zu Ende ging. Sebastian wurde Drittbester Polizist mit 5,0/7 und einer leichten Verbesserung seiner Wertungszahlen. Auch ihn wollen wir mit einer Partie hier vertreten wissen, die Drähte zwischen Ostfriesland und Thüringen glühten immer heiß! Als Schmankerl sein Sieg aus der 6. Runde:

Sebastian - Esser

Sonntag, 04.11.
Nachmittag

In der letzten Runde konnten unsere Kämpfer noch einmal punkten. Ich selber wollte meine gute Turnierleistung gerne absichern. Mit Schwarz konnte ich eine theoretische Neuerung anbringen, ein paar Züge später schlug mein nominell stärkerer Gegner daraufhin ein Remis vor. Nun, die Idee kannte ich aus einem Video, bislang gibt es aber keine bekannte Partie dazu.

Maik gelang ein Schwarzsieg gegen die nominell stärkere Madita Mönster, sein Spiel am Damenflügel erwies sich hier als entscheidend. Damit immerhin noch ein DWZ-Plus für Magic Maik, der das Turnier auf einer positiven Note beenden konnte.

Mönster -  Maik

Keno trennte sich Remis von Lara Schulze, der oben erwähnten Nr. 2 von Niedersachsens Damen. Ich denke, beide Seiten waren hier recht friedlich gestimmt. Kadde besiegte die oben erwähnte WFM, während Marc vergeblich versuchte, mehr als einen halben Punkt aus seinem Endspiel zu quetschen. Der Kreis schloss sich schließlich mit… Uwe Rau. Er traf auf Spartak. Spartak hatte hier seine Vorteile, aber Uwe kämpfte auch mit Minusbauer im Endspiel unbeirrt und Spartak musste letztlich einen halben Punkt zugestehen.

Und so löste sich unserer Gemeinschaft dann auf. Keno war bereits im Zug nach Bonn, als auch David und Spartak ihre Rückreise nach Bremen antraten. Marc und Maik machten sich zusammen auf nach Oldenburg, während ich mich ins Haus Modder durchschlug. Diesmal präsentierte es sich melancholisch und still. Man kann nicht alle Fäden zusammenbehalten…

Fazit

Das Turnier war für mich selbst wohl am Erfolgreichsten aus unserer Gruppe. Eine Leistung im Bereich 2100 war schon sehr gut für meine Verhältnisse und ich würde das Turnier zusammen mit dem Neckar Open 2014 und Sottrum 2015 zu meinen besten Leistungen zählen. Keno spielte auch sehr stark, seine Leistung war im Bereich 2150-2180, je nachdem, ob man DWZ oder ELO zu Grunde legen wollte. Er bestätigte seine derzeitige Zahl von 2100, ich würde ihn tatsächlich noch um 50 Punkte höher einschätzen.

Auch Kadde konnte zufrieden sein, er gewann 4x gegen Schwächere und verlor seine drei Schwarzpartien gegen stärkere Gegnerschaft. Knapp 2250 ELO-Leistung bringen ein Plus und von dieser Seite aus gute Genesung für seinen (Tisch)Tennisarm! Maik machte ein DWZ-Plus, er stellte allerdings zwei Gewinnstellungen in den ersten beiden Runden weg. Mehr war also möglich. Dass es trotz der zwei bitteren Partien zum Auftakt noch ein Plus wurde, spricht eher für Maiks Kampfgeist.

Spartak landete ein wenig im Minus, aber wer ihn kennt der weiß, dass es ihn eher noch dazu anspornen wird, sein Niveau zu verbessern. Nicht zufrieden sein konnte natürlich (auch) Marc, der schlicht unter seinen Möglichkeiten abschnitt. Bei ihm lief es einfach nicht. Aber auch Marc konnte der gemeinsamen Zeit etwas abgewinnen.

Ansonsten: Einfach eine geile Zeit! Und ein Lob an Edzard und die Helfer beim Turnier, hier vor allem Familie Aden. Da wurde wirklich eine hervorragende Veranstaltung auf die Beine gestellt. Das Revival für 2019 ist etwas, das man auf jeden Fall anpeilen sollte, auch wenn 2018 kaum zu schlagen sein dürfte.

Ich schließe mit einem Zitat aus dem Buch „Carlsen’s aussault on the throne“, welches ich schon mal gebracht habe und das sich auf das Ende des Kandidatenturniers bezog, aber welches hier perfekt passt, diesmal im englischen Original:

„The next day is rainy and melancholic, as it should be. The return to reality after an exciting tournament is always depressing.“

Hier noch die offizielle Seite: Link

frank modder, 13.11.2018
 

Die Ritter der Schwafelrunde.
Eine verschwommene Erinnerung?