- Deutsche Polizeischachmeisterschaft -
Fredersdorf (Brandenburg)
30.10.-05.11.2022
 

Sebastian Deutscher Vize-Meister
 
Auf der Jagd nach dem Titel

Anfang November - traditioneller Termin! - fanden einmal mehr die Deutschen Meisterschaften der Polizeistreitkräfte statt. Sowas gibt es ja in mehreren Berufsgruppen. Bei den Cops ist es eine offene Veranstaltung mit etwa gut 30 Teilnehmern, in der Regel recht gut besetzt, diesmal mit 3 FM und einigen weiteren Leuten mit über 2000 Wertungspunkten. Und wie immer wurde auch diesmal wieder verbissen gekämpft.

Sebastian ist hier teilnahmeberechtigt, war auch schon mehrfach in den vergangenen Jahren auf dem Treppchen - aber mit Platz 1 klappte es bislang nicht. Also hieß es, sich ein weiteres Mal aufzumachen, diesmal östlich von Berlin in ein kleines brandenburgisches Dorf namens Fredersdorf. Das Programm war „entspannt“: Eine Runde um 09.30 Uhr morgens. Aber Sebastian schaffte es häufig, die längste Partie der jeweiligen Runde zu spielen, diesmal übertrieb er es mit einer 107zügigen Seeschlange…

Schaun mer mal, was die Jagd nach dem Meistertitel so brachte!
 

Wir waren im Speckgürtel von Berlin

Runden 1-2:
Zwei Punkte gegen 1900er zum Auftakt

Sebastian startete mit einem überzeugenden Weißsieg gegen 1900. Um den 20. Zug herum war die Stellung als gewonnen einzuschätzen. Es gab in der Folge ein paar kleinere Komplikationen, die Weiß aber meisterte. Dennoch war dies die längste Partie des Tages.

Es folgte ein weiterer 1900er mit Schwarz. Gegen das solide Londoner System gab Sebastian an Halloween furchtlos zwei Bauern für aktives Spiel und bessere Entwicklung. Dann gab es Saures für den Gegner. Hier ein kurzer Eindruck:
 

Diagramm nach dem
17. Zug von Schwarz

Weiß hat zwei Bauern mehr und ist am Zug, aber Schwarz ist bereits im Vorteil. Er wird mit dem Turm auf die zweite Reihe eindringen. Weiß schaffte es bis zum Ende nicht, Springer und Turm in die Partie einzubinden. Beide Figuren kamen dazu, lediglich einmal zu ziehen - als alles schon verloren war. Somit ein überzeugender Auftakt. Aber die Brocken warteten ja noch.

In unserem kleinen Ort in Brandenburg waren durchaus viele Häuser zu Halloween entsprechend „geschmückt“  und manche Kinder liefen verkleidet durch die Straßen. Nicht auf breiter Front, aber es war schon auffällig. Dieser Brauch scheint also zumindest dort ein wenig Fuß zu fassen.

Runden 3-4:
Gegen den Favoriten - und eine wundersame Seeschlange

Im Turnier ging es jetzt in Runde 3 bereits gegen den Turnierfavoriten und Serientäter (wenn das Wort in diesem Kreis angebracht ist) Ralf Kotter. Das war zu diesem Zeitpunkt ok, denn Bast hatte Weiß. Die Vorbereitung trug Früchte, Schwarz flog schnell auseinander. Es war aber nicht das erste Mal, dass der Dortmunder FM dem Oldenburger noch von der Schippe sprang:

Sebastian - FM Kotter

Ein Remis also „nur“. Das ließ aber die Turnierchancen noch völlig offen. Jedoch mussten auch weiterhin die Hausaufgaben gemacht werden, so mit Schwarz in der Folgerunde gegen einen 1800er, der aber ein sehr starkes Turnier spielte. Es entwickelte sich ein Drama:

Litfin - Sebastian
("Im Würgegriff der Seeschlange")

Tja, das Endspiel hätte sich Weiß etwas angenehmer einreichten können… Für Sebastian war das Ende eher eine Würgeschlange denn eine Seeschlange, aber er befreite sich erfolgreich. Also wieder ein langer Arbeitstag und die bisher längste Partie in Sebastians Turnierspielen. Ein gewonnener oder verlorener halber Punkt für ihn? Philosophieren konnte man später…
 

Fredersdorf zeigte sich ländlich und lud zu Spaziergängen ein. Auffällig war, dass sich
jedes Haus mit einem hohen Zaun oder einer entsprechenden Hecke von der Straße abgrenzt.
Und jedes zweite Haus platziert einen Wachhund im Garten.

Runden 5-6:
Zweimal Weiß gegen FM - und anderthalb Punkte

Die nächste Runde brachte ein schwieriges Los gegen FM Prediger, immerhin aber wieder mit Weiß. Der FM wählte ein etwas anrüchiges Eröffnungssystem, und Sebastian stand schnell gut. Damentausch entlastete  Schwarz etwas, aber das Endspiel war ein Spiel auf zwei Ergebnisse:

Sebastian - FM Prediger

Uff. Da hat Sebastian den Gewinn mehr aus sich selbst als aus der Stellung herausgequetscht. Aber bereits vorher hätte er den Punkt klarmachen können. Das ist das Einzige, was man ihm in diesem Turnier vorhalten könnte. Da gibt es manchmal recht einfach anmutende Züge, die übersehen werden - allerdings von beiden Seiten.

Ein weiterer FM wartete mit Natsidis in der vorletzten Runde. Und noch einmal mit Weiß. Über die Farbverteilung konnte man sich diesmal wirklich nicht beschweren. Der Gegner wich der Vorbereitung aus, also seinen Standard-Sachen. Sebastian lehnte aber ein frühes Remisangebot ab. Ein paar Züge später, in unklarer Stellung, wurde man sich dann nach einem Angebot des Oldenburgers doch handelseinig. Somit mal ein kurzer Tag. Man konnte gespannt warten, was die Auslosung für die letzte Runde bringen würde.
 

Unser geheimer Sek(h)undant bei der Vorbereitung.

Runde 7:
Abschlußsieg im Fernduell - aber es reichte nicht ganz

Vor der letzten Partie war noch ein Turniersieg möglich. Dazu musste ein Sieg her gegen 2000 (2100 ELO) mit Schwarz. Auf dem Nebenplatz spielte Kotter, der einen halben Punkt voraus war, aber mit Schwarz gegen FM Prediger eine schwierige Aufgabe hatte. Sollte er nämlich ein Remis „lassen“, würde die BHZ wohl für Sebastian sprechen. Aber es gab auch noch den mit Bast punktgleichen Natsidis, der in der Nebenwertung etwa gleichauf war.

Bast stand in seiner letzten Partie früh gut, wieder war die Vorbereitung vernüntig gewesen. Aber die Lage verkomplizierte sich sehr. Kommt uns das Szenario bekannt vor? Schlechter stand Sebastian nie, aber es ist generell sehr schwierig, einen Zugang zu der Partie zu gewinnen. Hier ein Versuch:

Rauch - Sebastian

Gewonnen also! Aber es wurde nichts mit dem Turniersieg: Seriensieger Ralf Kotter gewann seine Partie und war einen halben Punkt voraus. Immerhin blieb der 2. Platz für Sebastian, den er sich mit Natsidis teilte. In allen Wertungskategorien (BHZ, SoBe und Gewinnpartien) waren die beiden gleichauf.

Fazit:

Gutes Turnier, eine DWZ-Leistung im mittleren 2300er-Bereich. Aber wie gesagt, sprangen die Gegner noch zu oft von der Schippe. Das ist etwas, was vielleicht mit mehr Praxis oder Taktik-Training behoben werden kann. Und muss - denn nicht immer kann man mit Kampfgeist noch alles aus dem Feuer reißen. Aber insgesamt ein gutes Turnier, auch wenn es wieder „nur“ ein Vize-Titel geworden ist.

Hier der Link zur Turnierseite: Polizeischachmeisterschaft.

frank modder, 09.11.2022
 

Das Siegerfoto.

***