- Capelle la Grande International Open, 2015 -
Dünkirchen, Frankreich
28.02. - 07.03.

 
Vierländertournee bei erstmaligem Auftritt in Frankreich
 
Zu Gast in der Grande Nation

Sebastian Müer und ich spielten zum ersten Mal ein Turnier in Frankreich, und zwar das große Open in Capelle La Grande in der Nähe von Dünkirchen direkt am Ärmelkanal. Es war bereits die 31. Auflage dieses Turniers, welches laut Veranstalter 555 Teilnehmer zählte, darunter 83 Großmeister. Capelle ist ein kleiner Ort nur ein paar Kilometer hinter der belgischen Grenze. Nach 4,5 Stunden Fahrzeit durch vier Länder - Deutschland, Niederlande, Belgien, Frankreich - war man bereits am Ziel. Einen Tag vor Beginn anzureisen erwies sich dabei als sinnvoll. Am Samstag, den 28.02., ging Nachmittags die erste Runde los, wobei immer eine Runde pro Tag gespielt wurde, mit der Ausnahme einer Doppelrunde am Montag.

Alle Spieler reihten sich in ein einziges Turnier ein, und das hat nicht nur seine Vorteile, wie wir sehen werden. Es wurde zwar nach dem beschleunigten Schweizer System gelost, aber dennoch war das Pingpong-Spiel übel. Entweder sehr starke oder sehr schwache Gegner, Sebastian wusste hier bald ein Lied davon zu singen. Schachlich gesehen können wir das Turnier darum recht schnell abhandeln, ohne grosse Highlights. Jeweils ein Partiebeispiel von Sebastian und mir gibt es am Ende.

Bilder vom Turnier, wie immer vergrößern durch anklicken.

 
Aussenansicht der Spielhalle.
Und von innen. Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt.

Sebastians Weg durch das Turnier

Sebastian startete mit einer Niederlage gegen einen 2400er IM, dann gab es einen Sieg gegen 1900, wieder eine Niederlage gegen einen 2400er IM und einen Sieg gegen 1800. Dabei hatte Sebastian auch noch das Pech, Weiß gegen die schwachen Gegner zu haben, die er wahrscheinlich ohnehin besiegt hätte. Die Hoffnung, gegen 2400 etwas zu holen, war natürlich auch mit Schwarz da, aber mit Weiß wäre es schon handfester gewesen.

Und es wurde übler: Nach 2,0/4 folgte dann sogar 1600 Und nachdem dieser Punkt eingefahren war ging es gegen einen 2500er GM weiter. Hier dann endlich mal mit Weiß, aber trotzdem gab es eine glatte Niederlage.  Und es folgte wieder 1900 und ein Sieg. Und nun? Mit 4,0/7 traf Sebastian auf 1300 Ja, dafür fährt man eigentlich nicht nach Frankreich, aber gut, man muss halt ausbrechen mit etwas Zählbarem gegen die stärkeren Gegner. Aber seinen Tischnachbarn ging es nicht anders, die blieben bis zum Ende des Turniers immer dieselben.

1300 wurde besiegt, genau wie der 1900er davor aber in einem Damenendspiel nach jeweils hartem Kampf. Das Ende der Partie gegen den1900er geben wir unten wieder. In der Schlussrunde gab es nochmal 2400 IM mit Schwarz, hier hatte Sebastian aber endlich mal eine angenehme Stellung, doch Weiß spielte gut und Sebastian musste am Ende doch die Segel streichen. Es gab einen Abzug von ca. 5-6 ELO-Punkten.
 

Sebastian extrem konzentriert.
Nettes Gimmick: Fahne und Kärtchen für jeden Spieler.

Franks Weg durch das Turnier

Mir ging es nicht viel besser, wobei ich im Gegensatz zu El Basto gegen die Schwächeren leider nicht alles holen konnte. Auch bei mir Pingpong. Das Problem dabei ist, dass die starken Gegner von der Zahl her nicht in gleichem Masse stärker sind als die schlechteren Gegner schwächer. Man verliert also, wenn man nicht ausbricht, denn 50% führen ins Minus, auch wenn es bei der Auswertung eine Grenze gibt.

Ich verlor gegen einen 2100er FM zum Auftakt, hier stand ich etwas passiver, aber stellte unnötig einen Bauern weg. Danach verlor ich leider auch gegen 1600. Nach einem Fehler war die Partie nicht zu reparieren und ich merkte, dass keine Form vorhanden war. Es folgte die Doppelrunde am Montag und man stand bereits unter Druck. Doch mir gelangen Siege gegen 1600 und 1700, auch hier aber mussten beide hart erfochten werden.

Erneut folgte ein 2100er FM und eine Niederlage nach einem gescheiterten Eröffnungsexperiment, aber dann gab es einen Lichtblick: 2180 und ein Schwarzremis. Vermutlich meine beste Partie, aber ich hätte hier am Ende sogar weiterspielen sollen. Die Partie gibt es weiter unten zu sehen. Das Turnier hätte nun Fahrt aufnehmen können, aber ich kam über Remis gegen 1600 nicht hinaus. Und die Chancen in der Partie waren da. Es folgte noch ein leichter Sieg gegen 1500 und dann gab es zum Finale einen 2400er IM, hier opferte ich drin herum und verlor schnell. Mein ELO-Minus: etwa 15 Punkte.

Partiebeispiele
 

Frederik Roels (1959) - Sebastian Müer (2266) 0-1
Sebastian foltert seinen Gegner in einem Damenendspiel
Mehdi Roger (2181) - Frank Modder (1935) 1/2
Ein nicht ganz korrektes Opfer und ein nicht ausgekämpftes Endspiel

Fazit

Generell stimmt hier alles. Gutes Spiellokal (so eine Art Stadthalle), die Organisation war auch nicht zu kritisieren, und das ausgewählte Hotel im Nachbarort war zufriedenstellend und auch nur 5 Autominuten entfernt. Sicherlich ein sehr empfehlenswertes Turnier. Für die eigene Leistung ist man ja selber verantwortlich. Allerdings sollte man überlegen, ob es nicht sinnvoller ist, das Turnier in Gruppen einzuteilen.

Wie war es mit den französischen Vorurteilen, dass sie eine gute Küche haben und kein Englisch sprechen? Nun ja, Englisch ist in der Tat problematisch, sogar bei der Einschreibung, aber insgesamt kommt man doch zurecht, Speisekarten gibt es häufig auch auf Englisch. Aber dass die Franzosen die kulinarische Spitze darstellen, konnte nicht festgestellt werden. In Restaurants eher Standardmenüabfolge wie in Deutschland. Und ja, hier gibt es doch noch Englisch - beim Steak, auch wenn man Medium bestellt. Und es ist gar nicht so einfach, sein Geld dort loszuwerden. Es gibt nicht viele Restaurants, und die servieren warme Küche keinesfalls vor 19 Uhr. Und wenn man etwas später dran ist, ist die Küche bereits geschlossen. Also muß man wohl doch nach Paris fahren, um kulinarisch anzugreifen.
 

Ärmelkanalatmosphäre im Hafenbereich
von Dünkirchen bei einem Nachtausflug.
Ein riesiger Turm im
Zentrum Dünkirchens.
Keine Dusche - ein Klo.
Toilettenfrage ungeklärt.

Anmerkung zu dem Toilettenbild: Die Klo-Frage blieb auch im Spielbreich von Capelle kritisch - drei Kabinen und drei Becken für 555 Teilnehmer (na gut, für die Männlichen unter ihnen), und dann noch diese Rückenbrecher-Toilette... Aber merkwürdigerweise war immer eine Kabine frei, wenn man musste... Allerdings waren nicht alle Toiletten so wie auf dem Bild. Alle anderen Örtlichkeiten, die wir in Frankreich vorfanden, waren Standard.

Generell sind wir in Frankreich allgemein gut aufgenommen worden und eine Reise lohnt sich bestimmt, auch wieder nach Capelle la Grande. Allerdings gab es das Gerücht, dass ein Hauptsponsor abspringt, die Ausgabe 2016 könnte also in gänzlich anderer Form stattfinden. Das bleibt abzuwarten...

Hier noch der Link zur Turnierseite:

Capelle La Grande International Chess Open

Fotobericht auf der Nachrichtenseite von Chessbase

Noch ein Fotobericht von Chessbase

- frank modder, 12.03.2015
 

Gefunden im Hafengebiet von Dünkirchen.
Wir mussten ihn nicht in Anspruch nehmen.